„Ehemalige Heeresbäckerei“ versus Pharmatec/Bosch
oder: Dornröschen will keine Prinzen sehen
Ein Kommentar von Franz-Josef Fischer
Die morgendlichen Staus stadtwärts am Industriegelände haben mir den Anblick der verfallenden Speicher der ehemaligen Heeresbäckerei sehr verinnerlicht. Nur ein einziges Mal in meinem Leben traf ich einen Menschen, der sich über die besagte Geistersiedlung freute: ich empfing russische Gäste am Flughafen und auf der Fahrt in die Stadt wurde ein freundlicher Gast immer unruhiger. „Ich war hier Soldat“ sagte er in gebrochenem Deutsch „aber wo ist meine Kaserne?“ Ich zeigte ihm bewusst langsam fahrend den Infineon- Quimonda-Komplex und er kam aus dem Staunen nicht heraus. Kaum über die Eisenbahnbrücke gefahren leuchteten seine Augen auf: „Hier Heimat“ sagte er und zeigte auf die Speicherruinen. Da gab ich aber schnell Gas …
Herrn Dr. Kempes Augen leuchteten ebenso, als er im Bauausschuss von dem hervorragenden „Ensemble“ sprach. Welchem natürlich höchster Schutz gebührt! Noch nie habe ich einen alten SED-ler so begeistert von einem Militärgelände schwärmen gehört! Das kann doch alles nicht wahr sein, dachten auch Zuschauer auf der Tribüne des Plenarsaales am späten Abend des 24. Januar. Vor vierzehn Jahren verschwanden endlich die letzten russischen Relikte aus dem Gelände, dann ließ ein privater Investor alles aufräumen und wir Dresdner sahen mit Freude, was aus diesen Gebäuden werden kann.
Leider stoppten die Arbeiten und seit zehn Jahren ruhte alles vor sich hin.
Kein einziges Mitglied des bedeutenden Dresdner Stadtrates kümmerte sich um dieses Gelände. Auch ich gehöre dazu. Nur einmal kroch ich mit meiner Tochter durch die Ruinen, war zunächst erschrocken und sagte meinen Freunden, dass die Gebäude nicht einmal zu Abenteuerspielplätzen für Kinder der Neustadt tauglich seien.
Voller Freude las ich endlich die Vorlage der Stadtverwaltung; eine zukunftsreiche Firma, die längst fällige Stadtarchiv-Erweiterung und weiterer Platz auch für KFZ könnten angesiedelt werden. Und nur weil verantwortliche Mitarbeiter der Stadtverwaltung clever und gut überlegt verhandelt haben, stehen nun alle grünen und roten Fachleute des Stadtrates auf, um für den Erhalt des „Kriegsgebietes“ zu kämpfen. Das verstanden meine Freunde auf der Tribüne absolut nicht und ich musste ihnen lange erklären, was unsere sachkundigen Oberbürgermeisterkandidaten und ihre Fraktionen wohl meinen könnten.
Ich nutzte das letzte Wochenende bei Sonnenschein, stellte mich auf die Fußgängerbrücke am Industriegelände und sah in Gedanken das neu gestaltete Gelände. Rechts von mir die sanierte Getreidemühle und ein wunderschöner Speicher als Erweiterung des Stadtarchivs. Und dort, wo ein einziges Gebäude abgerissen werden soll, um Platz für das pharmazeutisch-biotechnologische Kompetenzzentrum zu schaffen, dort ahnte ich den neuen, schönen Blick auf Dresdens jüngste, renaturierte Halde.
Dieser kleine „Mont Klamott“ lädt zum Spazieren und zu einem völlig neuen Blick auf die Stadt ein. Warum die Grünen sich diesem Blick verwehren, das verstehe, wer kann. Und noch ein Tipp: Vom Hügel kann man sehr gut die JVA Hammerweg einsehen, das könnte doch für jeden, nicht nur für Egon Olsen, interessant sein.Also, der Plan ist da, packen wir’s an und unterstützen unsere Stadt beim Verschönern des Industriegeländes.
Die Gäste, die vom Flughafen oder vom Norden hereinkommen, die werden das Gelände als Tor zur Stadt empfinden. Wir Klotzscher, Weixdorfer und Langebrücker natürlich auch, obwohl wir eigentlich schon in der Stadt wohnen.
Franz-Josef Fischer
Freie Bürger Dresden e.V.
25. Januar 2008 (redaktion) Veröffentlicht in Wirtschaft