Sind die Dresdner alles Dreckspatzen?
Mit dem Sommer und seinen lauen Nächten beginnt auch wieder die Grillsaison. Gerade die malerischen Elbwiesen laden förmlich dazu ein, sich gemeinsam mit Freunden das eine oder andere Würstchen zu brutzeln.
Die Landeshauptstadt hat dem aber seit 2004 einen strengen Riegel vorgeschoben. Nur wer 30 Euro zahlt und vier Wochen im Voraus eine Genehmigung beim Umweltamt beantragt, erhält mit etwas Glück Zugang zu einer der fünf (!) ausgewiesenen Lagerfeuerstätten; ein Zustand der vor allem viele junge Dresdner Bürger verärgert.
Deshalb hat sich im April der Verein „elbegrillen e.V.“ gegründet, der sich zum Ziel gesetzt hat, dieses strenge Dresdner „Grill-Regime“ zu ändern. Der bislang hauptsächlich aus Schülern bestehende Verein fordert die Freigabe eines Teils der Elbwiesen zum freien Grillen und die Schaffung attraktiverer Grillplätze im Gebiet Elbwiesen- und Altarme. Schon bald sollen den Dresdner Stadträten dafür Unterschriftensammlungen übergeben werden und Beratungen zu einer möglichen Änderung der zuständigen Polizeiverordnung beginnen.
Doch schon regt sich Widerstand. Die Flächen in dem Landschaftsschutzgebiet böten Tier- und Pflanzenarten Schutz, Landwirte pflegen die Auen, so das Grünflächenamt der Stadt. Man habe bewusst nur fünf Feuerstellen ausgewiesen, an anderen Plätzen entstünden durch allabendliches Grillen Lärmbelästigungen für Anlieger.
Auch die Grünen im Stadtrat haben sich öffentlich gegen den Verein gestellt. So müsse das Biotop von europaweiter Bedeutung unbedingt geschützt werden, wie Stadtrat Lichdi in einem Artikel der DNN (24.05.2007) sagte.
Interessant dabei ist, dass das dort in Feld geführte Argument des erhöhten Müll-Aufkommens sehr vielseitig verwendbar ist. Wie die Stadt bereits vor vier Wochen mitteilte, sei durch das Grill-Verbot 2004 das Müllaufkommen an den Elbwiesen nicht gesunken. Also verschweigt man dies und weist darauf hin, dass das Müllaufkommen im gesamten (!) Stadtgebiet seit dem Verbot gesunken ist. So hat halt jeder seine eigene Wahrheit.
Was mich aber ganz besonders stört, ist diese Grundhaltung vor allem der Grünen, aber auch der Stadtverwaltung den Dresdner Bürgern gegenüber. Es wird nicht einmal darüber nachgedacht, dass die Bürger vielleicht auch verantwortungsbewusst handeln könnten. Nein, es steht fest, dass wenn man keine Verbote erlässt, diese Freiheit auf jeden Fall missbraucht wird. Also schmeißen die Bürger mit Sicherheit Ihren Dreck auf die Wiesen, wenn das Grillen erlaubt wäre. Dass ist das gleiche, wie zu behaupten, die Bürger würden sofort alle Bäume in ihrem Garten fällen, wenn dies nicht mehr verboten wäre (Seite xxx). Die einzigen, die die Umwelt schützen, sind die Grünen – und alle anderen müssen durch Verbote dazu gezwungen werden.
Ein solches Menschenbild ärgert mich, denn ich bin überzeugt, dass viele Dresdner verantwortungsbewusst und liebevoll mit ihrer Umwelt und ihrer Stadt umgehen. Es sind eben nicht alles Dreckspatzen, denen erst durch Reglementierung der Weg gewiesen werden muss.
Franz-Josef Fischer
05. Oktober 2007 (redaktion) Veröffentlicht in Allgemein