Keine Flagge für Tibet
Dies war zweifellos einer der Höhepunkte der 57. Stadtratssitzung. Die Grünen hatten gefordert, dass jedes Jahr, anlässlich des Tages der Okkupation Tibets durch China, am Dresdner Rathaus die Tibetische Flagge gehisst werden sollte.
Die Grünen hatten sogar eine Gastrednerin eingeladen, die versuchte, den Stadträten ihre individuelle Verantwortung für das Leid der tibetischen Menschen zu verdeutlichen.
Nach diesem gelungenen Auftakt gab es Kabarett in Reinkultur. Da wurde zunächst die nationalsozialistische Vergangenheit des Österreichers Heinrich Harrer, dessen autobiographischer Roman „Sieben Jahre in Tibet“ zu einiger Berühmtheit gelangte und auch das Land breiten Bevölkerungsschichten bekannt machte, beleuchtet.
Nach der Analyse der Karriere Harrers und seiner Freundschaft zum Dalai Lama, dem dessen nationalsozialistische Vergangenheit vermutlich bekannt war, bekam auch der Lama seine stadträtliche Würdigung in Form des Hinweises, dass dieser auch den damaligen Chef der Aum-Sekte, bekannt geworden durch den Giftgasanschlag in Tokio, zum Freund hatte.
Unsere braunen Vertreter im Stadtrat nutzten die Okkupation Tibets dann auch zur Herstellung einer Verbindung mit der Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten, was wiederum Jan Mücke veranlasste, zu behaupten, die Grünen würden mit ihrem Antrag dem Rechtsextremismus Vorschub leisten.
Wer sich jetzt fragt, was das alles eigentlich mit Dresden zu tun hat, sollte mal wieder an einer Stadtratssitzung teilnehmen. Um so was profanes wie Dresdner Kommunalpolitik geht es hier nur noch selten. Dafür gibt es großes Kino!
Auf den Vorschlag unserer Stadträtin Anita Köhler, doch einen städtischen Flaggenhain für alle Konfliktregionen dieser Welt einzurichten, ging dann leider keiner mehr ein…
Dresden, 21.09.2007
21. September 2007 (redaktion) Veröffentlicht in Allgemein