Schulnetzplan beschlossen
Fünf Stunden war im Ausschuss für Allgemeine Verwaltung am Montag um den neuen Schulnetzplan gerungen worden. Seit Monaten schon wurden mit Betroffenen Gespräche geführt, Kompromisse ausgelotet und Veränderungsvorschläge gemacht. Fast zwei Stunden debattierten die Stadträte verständlicherweise teils emotional und sehr engagiert zur letzten Sitzung dieses Jahres – und das alles war nötig geworden, weil eine Koalition aus SPD und CDU im Freistaat mit einem Federstrich das Leistungsniveau für den Zugang zu Gymnasien absenkte.
Um ihre Pläne auch schnellstmöglich umzusetzen, wurde daraufhin auch gleich noch ein Fördermittelstopp für die Sanierung der Schulgebäude in Dresden verhängt, bis ein neuer Schulnetzplan vorliege.
Dessen Fortschreibung mußte vorgezogen werden, weil es „auf einmal“ Überkapazitäten an den Mittelschulen gab. Da die Landeshauptstadt für die Schulgebäude, nicht jedoch für Lehrer und Unterricht zuständig ist, mussten nun Mittelschulen geschlossen und Gymnasien eröffnet werden. Da es aber verschiedene Anforderungen für die verschiedenen Schultypen gibt, war es natürlich nicht möglich, die Gymnasien in den zu schließenden Mittelschulen unterzubringen.
Albrecht Leonhardt brachte es auf den Punkt: Einem normalen Bürger ist das alles kaum noch verständlich zu machen. Da hält eine Landesregierung eisern an einem “mittelalterlichen Schulsystem” fest, dass in seiner dreigliedrigen Struktur mehr Verlierer als Gewinner produziert. Da werden von Legislaturperiode zu Legislaturperiode die Zugangsbedingungen für die verschiedenen Schultypen verändert, “weil sich Landespolitiker damit profilieren müssen”. Und auszubaden haben all das die Kommunen, denen dann noch der Schwarze Peter zugeschoben wird, weil sie Schulen schließen müssen.
Es ist vorauszusehen, dass wir in Kürze wieder einen neuen Schulnetzplan aufstellen müssen. Nämlich dann, wenn die Schüler, die jetzt aufgrund des gesenkten Zugangsniveaus in die Gymnasien strömen, dem dortigen Leistungsdruck nicht gewachsen sind und wieder an eine Mittelschule wechseln wollen. Dann entsteht dort wieder Mehrbedarf, der aber natürlich bei der jetzigen Planung nicht berücksichtigt werden durfte. Irrsinn mit System.
08. Dezember 2006 (redaktion) Veröffentlicht in Bildung